Denk einmal an das Jahr 2021 zurück. Für Fans der Popkultur erreichte dieses Jahr seinen Höhepunkt in der Pilotfolge von And Just Like That… (des Revivals der ikonischen Show Sex and the City). In dieser Folge wurde ein Peloton-Bike zu Unrecht für den Tod eines Charakters verantwortlich gemacht. Zum zweiten Mal seit 2019 erlebte der Fitnessgigant Peloton einen kulturellen Moment. Das Unternehmen wurde zu einer der relevantesten Fitnessmarken der Pandemie – vielleicht sogar zu der Marke überhaupt.
Aber auch an anderer Stelle beobachteten clevere Gründer:innen in der Direct-to-Consumer (DTC) Fitnessbranche die Verbrauchertrends genau und handelten schnell. Gleichzeitig beeilten sich Einzelhändler:innen, auf ein virtuelles Modell umzuschwenken und ihre Kund:innen in deren eigenen vier Wänden zu erreichen. Einige Unternehmen überlebten die folgenden Jahre, andere nicht. Eine Frage stellten sich jedoch allen: Würden diese Fitness Trends auch langfristig bestehen bleiben?
Marken, die auf persönliche Interaktionen vor Ort angewiesen waren, hatten große Schwierigkeiten, auf ein virtuelles Modell umzusteigen und ihre Kund:innen in deren Zuhause zu erreichen. Während einige diesen Wandel meisterten, scheiterten andere.
Schon kurz nach dem Abflachen der Pandemie litt selbst Peloton unter den Auswirkungen der „Rückkehr zur Normalität“ und berichtete von nachlassendem Interesse und sinkenden Verkaufszahlen. Der Verlauf der Marke zeigte, dass zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein nicht ausreichte, um langfristig von der kollektiven Isolation zu profitieren. Die Art und Weise, wie Menschen einkaufen und mit Marken, mit der Welt und miteinander interagieren, hatte sich grundlegend verändert.
Dieser Artikel wirft einen umfassenden Blick auf die DTC-Fitnessbranche. Du lernst moderne Fitness Trends kennen und findest heraus, was angehende Gründer:innen tun müssen, um ihre Unternehmen zukunftssicher zu machen. Ein Blick in die Vergangenheit liefert weitere hilfreiche Hinweise. Erfolgreiche Marken werden analysiert, Daten ausgewertet und Expert:innen aus der Fitnessbranche konsultiert – darunter Gründer:innen, Athlet:innen, Trainer:innen und Marketingfachleute.
Die Fitness Trends, die Heimtraining geprägt haben
Heimtraining ist kein neues Konzept. Erste „Heimfitnessstudios“ entstanden bereits Ende des 19. Jahrhunderts mithilfe von rudimentären Widerstandsgeräten – auch wenn das Konzept damals noch recht selten war. Mit der Verbreitung von Fernsehern in den frühen 1950er Jahren hielt auch das Fitnesstraining im Wohnzimmer Einzug. Trainingssendungen wie Aerobic-Shows erreichten Millionen von Zuschauer:innen.
Die 1980er Jahre läuteten die erste Version eines weit verbreiteten Fitnessbooms ein. Fitnessstudios, die zuvor fast ausschließlich von Bodybuilder:innen besucht wurden, öffneten sich nun einer neuen Kundschaft in der breiten Bevölkerung. Auch die VHS-Kassette war ein Gewinn für das Heimtraining und wurde zu einem beliebten Format für Promi-Fitnesstrainer:innen, um ein breites Publikum zu erreichen. Schließlich dominierten eine Vielzahl von einprägsamen „As Seen on TV“-Trainingsgeräten von Shake Weight bis ThighMaster die Werbespots in den späten Abendstunden.
Während technologische Innovationen ein Gewinn für das selbstgeführte Fitnesstraining waren, konnten sie die Gemeinschaft, den Zusammenhalt und den freundschaftlichen Wettbewerb realer Räume nicht ersetzen.
Studio-Ketten explodierten in den folgenden zwei Jahrzehnten, von einfachen suburbanen Optionen bis hin zu hochwertigen Studios mit VIP-Vorteilen wie gekühlten Eukalyptus-Handtüchern. Aber auch das Heimtraining hielt Schritt. Stationäre Fahrräder und kompakte Laufbänder erweiterten ihr Angebot mit mehr Gadgets und elektronischen Trackern wie Herzfrequenzmonitoren. Körpergewichtstraining gewann an Beliebtheit und jede:r mit einer 20€-Yogamatte konnte von zu Hause aus trainieren.
Die frühen 2000er Jahre läuteten einen Boom in der Fitnesstechnologie ein, als mobile Apps, interaktive Videospielplattformen und tragbare Technologien die Fitness Trends dominierten. Während technologische Innovationen ein Gewinn für das selbstgeführte Fitnesstraining waren, konnten sie die Gemeinschaft, den Zusammenhalt und den freundschaftlichen Wettbewerb realer Räume nicht ersetzen.
Erst in den letzten Jahren haben DTC-Heimfitnessunternehmen versucht, diese Lücke zu schließen, indem sie diese wichtigen Elemente in ihre Software und Dienstleistungen integrierten. Peloton wurde zu einem Vorreiter in diesem Bereich – und zwar schon vor 2020.
Dann kam die Pandemie. Fitnessstudios wurden zeitweilig geschlossen. Die Menschen mussten zuhause bleiben. Plötzlich war das Solo-Training zu Hause nicht mehr eine Option – es war die einzige Option. Eine Studie zu Fitness Trends über die Jahre, stellte fest, dass das Online-Training von Platz 26 im Jahr 2020 auf Platz 1 im Jahr 2021 aufstieg.
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Wie die Fitnessbranche auf Lockdowns reagierte
Peloton und ähnliche Unternehmen profitierten von den pandemiebedingten Sicherheitsmaßnahmen, die viele Fitnessbegeisterte von ihren Communities abschnitten. Das Unternehmen meldete einen Anstieg der Verkaufszahlen um 172 % im dritten Quartal 2020. Es führte neue Modelle und mehr Trainingsinhalte ein und senkte sogar den Einzelhandelspreis seines Flaggschiffprodukts.
Anderswo versuchten Fitnessmarken – insbesondere solche, die auf einem persönlichen Element basierten – Pelotons Geschäftsmodell nachzuahmen, um sich von den Schäden zu erholen. Gleichzeitig tauchten neue Produkte, Technologien und Dienstleistungen auf (denke zum Beispiel an virtuelles 1:1-Training), um die Lücken zu schließen.
Die ehemalige Profibasketballspielerin und Trainerin Jasmine Maietta gründete die Tischtennismarke Round21 und war eine der Gründer:innen, die die Chance ergriffen. Im Sommer 2020 bemerkte Jasmine, dass Basketballkörbe von Spielplätzen entfernt wurden, um Menschenansammlungen zu verhindern. „Wir wollten den Menschen Möglichkeiten geben, weiterhin Freude am gemeinsamen Spielen zu finden, sicher von zu Hause aus“, sagt sie. „Also haben wir unsere Forschung und Entwicklung beschleunigt und mit Round21 neue Mini-Körbe auf den Markt gebracht.“
Fallstudie: Ride Cycle Club
Taylin Wilson ist Spinning-Trainerin im Toronto-Ableger des Ride Cycle Club, einer kanadischen Spinning-Studio-Marke mit mehreren Standorten im ganzen Land. Ride reagierte auf die von der Provinz angeordneten Lockdowns, indem es Fahrräder monatlich an lokale Mitglieder vermietete. Eine größere Herausforderung war es jedoch, die charakteristische Atmosphäre der Kurse – abgedunkelter Raum, Kerzen, Vibrationen von den Fahrrädern und der Musik – einem Heimpublikum nahezubringen. „Wir haben viele Video-Tests gemacht, bei denen wir verschiedene Beleuchtungsoptionen ausprobiert haben“, sagt sie. „Wir haben es wirklich von Grund auf neu aufgebaut.“
Viele Trainer:innen wollten keine Online-Kurse anbieten. Es gibt keine Energie im Raum. Du unterrichtest allein vor einer Kamera.
Taylin Wilson
Die Logistik der Produktion war auch aufgrund von COVID schwierig. „Das war stressig“, sagt Taylin. „Wie sollen wir kommen und filmen, wenn niemand sonst im Raum sein durfte?“ Das Unternehmen löste dieses Sicherheitsproblem mit einem einsatzbereiten Setup, das es den Trainer:innen ermöglichte, die Beleuchtung selbst einzurichten und Kurse mit einem Knopfdruck aufzunehmen.
Während Ride schnell reagierte, um die logistischen Probleme zu lösen und das Publikum auf neue Weise zu erreichen, war der psychologische Wandel eine weitere Hürde. „Viele Trainer:innen wollten keine Online-Kurse anbieten“, sagt Taylin. Für ihre Kolleg:innen war es entscheidend, von der Klassenatmosphäre zu profitieren. „Es gibt keine Energie im Raum“, sagt sie. „Du unterrichtest allein vor einer Kamera.“ Letztendlich brachte die Integration von Live-Fahrten wieder Leben in den Unterricht. Das Unternehmen machte virtuelle Angebote schnell zu einem wichtigen Teil seiner Zukunftsstrategie.
Die Abkühlung
Auch wenn die Auswirkungen von Covid-19 ungewiss waren, schickten sich einige Orte der Welt an, zur Normalität zurückzukehren. Während virtuelle und Heimfitness auch in den kommenden Jahren ihren Platz haben werden, um digitale Nomad:innen und vollständig remote arbeitende Unternehmen zu unterstützen, erlebte der Markt eine gewisse Abkühlung. 2021 meldeten Umfragen das Online-Training noch als den Top-Trend. 2022 fiel es jedoch bereits auf Platz neun zurück.
Auch Peloton schien sein neues Publikum ausgeschöpft zu haben. Als die Aktien des Unternehmens 2022 fielen, kündigte Peloton an, die Produktion seiner Fahrräder und Laufbänder einzustellen. Damit wollte das Unternehmen die Kosten nach einem Rückgang des Interesses und der Verkaufszahlen senken.
Gründer:innen in der Fitnessbranche sollten sich genau anschauen, warum Marken wie Peloton erst Kultstatus erlangten und wo sie anschließend möglicherweise gescheitert sind. Die Lektionen anderer Unternehmer:innen aus der Vergangenheit können dich leiten. Was bedeutet all das für die Zukunft?
8 Fitness Trends, die du im Auge behalten solltest
Die Pandemie und die Veränderungen, die sie mit sich brachte, werden die Fitnessbranche für immer beeinflussen. Einige Fitness Trends wie smarte Geräte und Apps halten weiterhin ihren Platz. Aber der Anstieg von Remote-Arbeit und anderen gesellschaftlichen Veränderungen hat neue Möglichkeiten für angehende Fitnessunternehmer:innen eröffnet.
Die (englischsprachige) ACSM-Umfrage zu Fitness Trends, der Future of Commerce-Bericht von Shopify und Gespräche mit Expert:innen identifizieren die acht wichtigsten (und langfristigen) Trendprognosen für Fitnessunternehmen.
1. Die Wearable-Technologie boomt auch weiterhin
Die Wearable-Technologie hat sich in den letzten Jahren als einer der Top-Trends im Fitnessbereich etabliert. Während führende Marken wie Fitbit, Garmin und Apple weiterhin den Sportuhrenmarkt dominieren, gibt es immer noch Raum für Innovationen. Marken wie Bellabeat und Oura differenzieren sich mit Produkten, die klassischem Schmuck ähneln – aber dennoch leistungsstark sind – um sich nahtlos in den Alltag zu integrieren.
Weitere Innovationen im Bereich tragbarer Fitness-Technologie umfassen vernetzte Kleidung. Die Smart-Shoe-Linie von Under Armour synchronisiert sich beispielsweise mit der hauseigenen Mapmyrun-App, um Laufdaten zu verfolgen und den Nutzer:innen Einblicke in ihre Leistung zu geben.
🥇 Takeaway: Während der Wettbewerb in der Sportuhren-Kategorie stark ist, können innovative Gründer:innen Wege finden, zeitlose Sportbekleidung und -geräte mit einer vernetzten Komponente neu zu erfinden.
2. Heimfitnessstudios und -geräte bleiben (vorerst) bestehen
Obwohl der jüngste Rückgang bei Peloton darauf hindeutet, dass dieses Phänomen nachlässt, hat es sich dennoch als einer der beliebtesten Fitness Trends herauskristallisiert. Dies könnte zum einen daran liegen, dass die Pandemie den Alltag der Menschen deutlich länger beeinflusste, als ursprünglich gedacht. Zum anderen erfreut sich Remote-Arbeit nach wie vor großer Beliebtheit. Während viele Menschen inzwischen in die Fitnessstudios zurückgekehrt sind, haben andere festgestellt, dass Heimtraining besser zu ihrem neuen Arbeits- und Lebensstil passt.
Es gibt jedoch weiterhin Einschränkungen in dieser Branche. Das stellt die Unternehmerin, Produktdesignerin und Bodybuilderin Helen Tran fest. Während der Pandemie kaufte sie Ausrüstung wie Hanteln und eine Bank, um ihr Training zu Hause fortzusetzen. „Ich war wirklich froh, dass ich das gemacht habe, denn sehr schnell waren schwerere Gewichte weltweit ausverkauft“, sagt sie. Aber als jemand, der auf aggressivere Fitnessziele hinarbeitet, reichte ihr Heimfitnessstudio nicht aus. „Ich bin schnell aus meinem Set an Geräten herausgewachsen.“
🥇 Takeaway: Marken, die sich in diesem Bereich etablieren möchten, müssen ihren Differenzierungsfaktor finden. Du könntest zum Beispiel Erweiterungsmöglichkeiten für Kund:innen wie Helen anbieten, die zunehmende Gewichte für ihre Trainingsbedürfnisse brauchen. Der Preis wird ebenfalls eine Rolle spielen, um Kund:innen davon zu überzeugen, Heimfitnessstudios anstelle einer Mitgliedschaft im Fitnessstudio zu kaufen. Der zunehmende Wettbewerb auf dem Markt hat zu niedrigeren Einzelhandelspreisen beigetragen. Ein Gemeinschaftsaspekt – denke an virtuelle Bestenlisten, Chats während des Trainings und Livestream-Kurse – wird ebenfalls entscheidend sein.
3. Flexercise mischt die Szene auf
Pinterest identifizierte „Flexercise“ als einen Fitness Trend für 2022. Der Begriff bezieht sich auf alternative Möglichkeiten, deinen Körper zu bewegen, einschließlich gelenkschonender Workouts, Dehnübungen und Spaziergängen in der Natur. Im Kern dieses Trends steht die Zugänglichkeit und Bequemlichkeit von Fitness – und ihre Entdramatisierung – mit dem Fokus darauf, deinen Körper jederzeit, überall und auf jede erdenkliche Weise zu bewegen.
Im Kern des Flexercise-Trends steht die Zugänglichkeit und Bequemlichkeit von Fitness – und ihre Entdramatisierung – mit dem Fokus darauf, deinen Körper jederzeit, überall und auf jede erdenkliche Weise zu bewegen.
Flexibilität kann auch breiter gefasst werden: Denke daran, Angebote zu erweitern, um gelenkschonendere oder kürzere Versionen bestehender Kurse hinzuzufügen. Peloton führte dies mit Inhalten ein, die sich auf Workouts von nur 10 Minuten konzentrierten. „Da so viele Menschen von zu Hause aus arbeiten“, sagt Taylin, „ist es schön, die Möglichkeit zu haben, ein qualitativ hochwertiges kurzes Workout einzuschieben, wenn man nicht zu einem Kurs im Studio kommen kann.“
🥇 Takeaway: Für Marken bedeutet Flexercise mehr Wahlmöglichkeiten und Flexibilität. Denke an erweiterte Bekleidungsgrößen, Inhalte und Dienstleistungen, die auf ein breites Spektrum von Fitnesslevels zugeschnitten sind. Auch flexible Mitgliedschaften und Geräte, die sich auf gelenkschonende Heim-Workouts konzentrieren, sind eine Option.
4. Live- und On-Demand-Kurse sowie virtuelles Personal Training bleiben wichtig
Das Training von zu Hause wird das von der gemeinsamen Energie getragene Workout in einem Raum mit Gleichgesinnten niemals vollständig ersetzen. Aber virtuelles Fitnesstraining ist nach wie vor beliebt. Selbst Taylin, die sich darauf freut, wieder persönlich zu unterrichten, hat die Vorteile eines virtuellen Angebots erkannt. „Wir haben Menschen, die aus Australien, Europa und aus Orten zuschauen, von denen wir nie gedacht hätten, dass wir sie erreichen würden“, sagt sie. „Das hat die Denkweise des Unternehmens über Expansion verändert.“
Bustle nannte beispielsweise hybride Mitgliedschaften (englischsprachiger Beitrag) als einen der beliebtesten Fitness Trends für 2022. Das deutet darauf hin, dass virtuelle Modelle langfristig eine Option sein werden. Taylin merkt an, dass Ride Cycle Club immer noch darüber nachdenkt, wie sie Mitgliedschaften für virtuelle und Präsenzangebote für mehr Flexibilität kombinieren können. „Ich denke, es wird wirklich interessant sein, zu sehen, wie sich die Preisgestaltungen tatsächlich entwickeln“, sagt sie.
Virtuelle Fitness-Optionen haben nicht nur das persönliche Erlebnis für bereits aktive Menschen ersetzt. Sie haben Fitness auch zugänglicher gemacht.
Obwohl das Konzept nicht neu ist (Helen merkt an, dass Layne Norton vor Jahren den Weg im Trainerbereich geebnet hat), eröffnet die steigende Nachfrage neue Möglichkeiten. „Während der Pandemie haben viel mehr Trainer:innen und Coaches ihre Geschäfte in die Online-Welt verlagert“, sagt Helen. „Ich glaube, wir stehen erst am Anfang und es gibt viel Raum für mehr Innovation und bessere Tools, um dieses exponentiell wachsende Feld zu unterstützen.“
Virtuelle Fitness-Optionen haben nicht nur das persönliche Erlebnis für bereits aktive Menschen ersetzt. Sie haben Fitness auch zugänglicher gemacht. Zugangsbarrieren wie das Leben auf dem Land, kein Zugang zu einem Fahrzeug oder die hohen Kosten für Personal Training wurden in vielerlei Hinsicht reduziert oder beseitigt.
🥇 Takeaway: Überlege, wie ein virtuelles Angebot deine Marke für neue Zielgruppen öffnen könnte. Kannst du Gasttrainer:innen oder mehr Trainer:innen mit einem remote-first Modell anziehen?
5. Gemeinschaft ist ein wesentlicher Bestandteil von Fitness und psychischer Gesundheit
„Bodybuilding kann ein extrem isolierendes Hobby sein“, sagt Helen. „Deshalb schließen sich Athlet:innen Teams an – obwohl wir als Einzelne konkurrieren – engagieren Trainer:innen oder finden Gemeinschaft in unseren Fitnessstudios oder über soziale Medien.“ Als Helen aufgrund von Studio-Schließungen von ihrer Gemeinschaft abgeschnitten wurde, hatte das Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit, sagt sie. Auch wenn sich die Welt wieder geöffnet hat, können Fitnessunternehmen den Gemeinschaftsaspekt des Trainings nutzen.
„Viele meiner Freund:innen, die vorher kein Fitness gemacht haben, haben angefangen, Kurse zu besuchen, um mit Menschen in Kontakt zu bleiben“, sagt Taylin. Wie kann dein Unternehmen einen neuen Markt für ein Fitnessprodukt oder eine Dienstleistung schaffen, indem es Skeptiker:innen anspricht?
Studios haben erkannt, dass es all diese Kund:innen gibt, die physisch nicht hier sein können oder sich möglicherweise nicht trauen, persönlich vorbeizukommen.
Emily Hsu
Emily Hsu ist eine ehemalige professionelle Tänzerin und Schauspielerin, die seit 2015 ihre eigene Fitness- und Tanzbekleidungsmarke Emily Hsu Designs betreibt. Als sie eine Familie gründete und aus der Stadt wegzog, wurde sie von der Gemeinschaft abgeschnitten, die sie in ihrem Lieblings-Tanzstudio aufgebaut hatte. Doch die Pandemie eröffnete eine neue Gelegenheit. „Plötzlich konnte ich wieder in diesen Studios tanzen, weil sie Zoom-Kurse anboten“, sagt sie. „Studios haben erkannt, dass es all diese Kund:innen gibt, die physisch nicht hier sein können oder sich möglicherweise nicht trauen, persönlich vorbeizukommen.“
🥇 Takeaway: Der Fokus auf Gemeinschaft bietet Marken eine wertvolle Chance, Kund:innen über soziale Medien oder virtuelle Live-Kurse und Erlebnisse miteinander zu verbinden. So lassen sich neue Zielgruppen erreichen oder bestehende Kund:innen halten – auch wenn diese Veränderungen wie Umzüge oder Familiengründungen erleben.
„Es gibt eine Nachfrage nach mehr Anleitung und Gemeinschaft“, sagt Helen, „und Software, die das Setzen von Zielen erleichtert und Menschen mit anderen verbindet, die dasselbe tun.“
6. Mobile Fitness-Apps und gamifizierte Workouts nehmen zu
Es ist keine Überraschung, dass mobile Apps weiterhin auf der Liste der Fitness Trends ganz oben stehen. Während der Pandemie boten viele dieser Apps eine Verbindung zur Gemeinschaft. Taylin bemerkte einen Anstieg der Nutzung in ihren Fitnesskreisen. „So viele Menschen haben sich wegen des sozialen Aspekts auf Strava angemeldet“, sagt sie. „Alle loben sich gegenseitig für ihre Workouts und posten häufiger.“ Die Apps reichen von einfachen Workout-Tracking-Apps wie Map My Fitness bis hin zu gamifizierten Welten.
Zwift ist eine solche App, die sich mit Hardware integriert und den Widerstand auf einem Fahrradtrainer anpasst, während du durch virtuelle Städte radelst. „Zwift hat eine Bestenliste und du kannst es in Echtzeit mit deinen Freund:innen nutzen“, sagt Taylin. „Und es gibt jede Woche neue Städte.“
🥇 Takeaway: Wenn du eine mobile App entwickelst, überlege, von Anfang an einen sozialen oder gemeinschaftlichen Aspekt einzubinden. Marken, die physische Produkte verkaufen, können ebenfalls von diesem Fitness Trend profitieren: Kann dein Produkt mit bestehenden Apps integriert werden, um seine Funktionalität zu erweitern?
7. Fitness ist für alle. Punkt.
Früher propagierte Fitness-Instagram ein unerreichbares Ideal, das von überproduzierten Bildern dünner oder muskulöser Körper dominiert wurde. Da Body Positivity und Gespräche über Fatphobia, Ableismus sowie toxische Wellness- und Diätkultur immer mehr zum Mainstream werden, verschiebt sich der Content in eine inklusivere Richtung. Dies ist weniger ein Trend als vielmehr ein willkommener gesellschaftlicher Wandel.
Der Flexercise-Trend ist ein weiterer Schritt weg von der Exklusivität in der Fitnesswelt und den -gemeinschaften. Influencer:innen aller Formen und Fähigkeiten verbreiten heute die Botschaft, dass Fitness für alle ist.
🥇 Takeaway: Fitnessbekleidungsmarken können breitere Zielgruppen mit erweiterten Größen erreichen. Für andere Unternehmen im Fitnessbereich ist die Repräsentation in sozialen Medien und Werbeinhalten wichtig. Emily arbeitet an einem Botschafterprogramm für ihre Marke und konzentriert sich darauf, mehr nutzergenerierte Inhalte zu fördern, die sich auf echte Kundenerfahrungen konzentrieren. „Es ist nicht so, dass sie eine schöne Aufnahme machen müssen, die aussieht, als käme sie aus einem Modemagazin“, sagt sie. Sie teilt die ungeschönten Momente ihrer Kund:innen im Umgang mit ihren Produkten. „Die Leute reagieren darauf.“
8. Fitness-Creator:innen und Personal Brands erleben einen Boom
Viele Fitnesstrainer:innen aus New York wechselten zu Online-Unterricht zu Beginn der Pandemie und bauten Personal Brands auf – und benötigten eine Garderobe für Auftritte vor der Kamera.
Fitness-Influencer:innen sind kein neues Phänomen. Aber die Pandemie zwang mehr Trainer:innen und Fitnessprofis dazu, sich im virtuellen Bereich zu versuchen. Die zunehmende Anzahl von Tools, von TikTok bis Patreon, unterstützt weiterhin die Creator Economy und erleichtert es jedem, seine Fähigkeiten oder Leidenschaften zu monetarisieren.
Der Wechsel zu virtuellen Kursen veränderte, wie Trainer:innen sich selbst sahen. Online-Unterricht erforderte ein neues Skillset: eine Präsenz vor der Kamera. Viele stellten fest, dass sie ein Talent dafür hatten. Sie ergänzten ihr verlorenes Einkommen durch die Erstellung von Inhalten auf ihren eigenen Kanälen. „Ich liebe, wie so viele Fitnesstrainer:innen ihre eigenen Personal Brands aufbauen“, sagt Taylin. „Es ist wirklich empowernd für sie, auch nach COVID eine zusätzliche Einnahmequelle zu haben.“
🥇 Takeaway: Es gibt Möglichkeiten für Gründer:innen, hinter die Kamera zu treten und ihre Marken zu vermenschlichen. Der Fitness Trend bietet Marken auch Zugang zu mehr aufstrebenden Fitness-Creator:innen für gesponserte Inhalte und Partnerschaften. Und Marken, die Fitnessprofis zu ihren Kund:innen zählen, sollten die Gelegenheit nutzen.
Emilys Geschäft florierte während der Pandemie aufgrund dieses Wandels. „Trainer:innen mussten plötzlich auf Zoom sein. Sie mussten Inhalte für YouTube, für ihre Websites aufnehmen – Dinge, die dauerhaft online sein würden“, sagt sie. „Also wollten sie schicke Outfits.“
Breitere Trends und deren Auswirkungen auf die Fitnessbranche
2022 veröffentlichte Shopify seinen jährlichen Future of Commerce-Bericht. Darin betrachtet werden Trends, die Unternehmen jeder Größe und in vielen Branchen beeinflussen. Als DTC-Fitnessunternehmer:in kannst du daraus noch heute einige wichtige Erkenntnisse gewinnen, um vorausschauend zu planen und Überraschungen zu vermeiden.
Social Selling nimmt nach wie vor zu
Tatsächlich explodiert dieser Trend. Es wird prognostiziert, dass die Verkäufe über soziale Medien in den nächsten Jahren stetig ansteigen werden. Fitnessmarken können auf diesen Trend aufspringen, indem sie Live-Shopping-Erlebnisse (denke an Geräte-Demonstrationen), virtuelle Anprobe-Apps für Fitnessbekleidung, AR/3D-Produktansichten für Heimfitnessstudios, shoppable Videos und virtuelle Showrooms anbieten.
Brooklyn Bicycle Co. war der Zeit voraus und nutzte interaktive und virtuelle Lösungen, um das Kundenerlebnis in seinem New Yorker Showroom zu replizieren. Dieser Schritt ermöglichte es, das Einkaufserlebnis zu personalisieren, Käufer:innen in ganz Nordamerika zu erreichen und die Conversion Rates zu steigern.
Die Akquisitionskosten für neue Kund:innen steigen weiter
Marken, die sich auf Kundenbindung und den Aufbau langfristiger Beziehungen zu ihren größten Fans konzentrieren, können hier gewinnen. Personalisierte Einkaufserlebnisse, wie 1:1-Online-Assistent:innen und Kundenkonten mit exklusiven Vorteilen, können deine Käufer:innen in loyale Kund:innen verwandeln. Die Menschen über ein paar gute Absichten hinaus zu binden, ist eine ständige Herausforderung für Fitnessmarken. Denn auch in den besten Zeiten laufen Mitgliedschaften im Fitnessstudio aus und Staub sammelt sich auf Heimfitnessgeräten.
Marken, die auf einem Abo-Modell basieren – denke an Kursinhalte, die physische Geräte ergänzen – können wiederkehrende Käufe von bestehenden Kund:innen garantieren.
„Es ist wirklich einfach für die Menschen, für kurze Zeit begeistert von etwas zu sein“, sagt Alexa Collins, ehemalige Marketingexpertin der Fitnessmarke Tonal. „Wir haben alle mit einem Fitnessprogramm angefangen, nur um die Gewichte wegzulegen und sie nie wieder zu benutzen. Wie hält man sie dazu, immer wiederzukommen? Wie hält man sie interessiert an deinem Produkt?“
Marken, die auf einem Abo-Modell basieren – denke an Kursinhalte, die physische Geräte ergänzen – können wiederkehrende Käufe von bestehenden Kund:innen garantieren. Future ist eine Marke, die vollständig auf diesem Modell basiert und unbegrenztes virtuelles Personal Training für eine monatliche Gebühr anbietet. Kostenlose Inhalte können ebenfalls ein nützliches Werkzeug sein, um bestehende Kund:innen zwischen den Käufen engagiert zu halten.
Menschen gehen wieder nach draußen
Die Rückkehr zum Einkauf vor Ort ist schon längst wieder abgeschlossen. Und obwohl einige pandemiebedingte virtuelle Trends bestehen bleiben, gibt es ein Verlangen nach taktilen Erlebnissen nach den Lockdowns. Der Shopify-Bericht ergab, dass 81 % der Gen-Z-Verbraucher:innen in den USA es bevorzugen, neue Produkte in einem physischen Geschäft zu entdecken. Aber auch die Erwartungen der Kund:innen haben zugenommen.
Erlebnisorientierter Einzelhandel wird von vielen Marken als Priorität angesehen – und die Verbraucher:innen begrüßen dies. Für Online-Fitnessmarken ist es möglich, sich mit Pop-ups oder Einzelhandelspartnerschaften in reale Erfahrungen zu stürzen. Einzelhandelsmarken können in Terminbuchungen für 1:1-Einkaufserlebnisse oder Geräte-Demonstrationen investieren oder Events wie Yoga-Kurse in ihren Geschäften anbieten.
Lieferkettenprobleme bestehen weiterhin
Lieferkettenprobleme betrafen während der Pandemie viele Unternehmen weltweit und verursachten frustrierende Verzögerungen für Verbraucher:innen. Das bereitete nicht nur Unternehmer:innen Kopfschmerzen. Auch die Erwartungen der Verbraucher:innen an den Versand stiegen aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs.
Doch Versand und Logistik stellten bereits vor der Pandemie Herausforderungen für einige Fitnessmarken dar. Alexa erinnert sich nur zu gut daran. „Da Tonal, Peloton und andere große Heimfitnessmarken so große Geräte haben, können der Versand und das Fulfillment normalerweise nicht intern durchgeführt werden“, sagt sie. „Du musst mit einem Versandlogistikunternehmen zusammenarbeiten.“ Dies führt manchmal zu Spannungen bezüglich der Kundenerwartungen, wenn die Marke wenig Kontrolle über den Versand ihres Produkts hat, sobald es das Lager verlässt.
„Ich denke, das ist der Grund, warum Peloton letztendlich ein eigenes Versand-System aufgebaut hat“, sagt Alexa.
„Man sieht ihre kleinen Peloton-Vans, wenn sie ausliefern.“ Realistisch gesehen wird es den meisten Unternehmen nicht möglich sein, ein solches Maß an Kontrolle über die Lieferkette zu erreichen. Dennoch können Fitnessmarken die Reibung verringern, indem sie die Kundenerwartungen im Voraus klären, hohe Versandkosten in die Einzelhandelspreise einbeziehen oder ein Montage-bei-Lieferung-Modell übernehmen, das die Paketgröße reduziert– und damit die Versandkosten senkt.
Verbraucher:innen legen Wert auf Nachhaltigkeit (diesmal wirklich)
Zu Beginn der Pandemie gaben Verbraucher:innen an, dass ihnen nachhaltige Geschäftspraktiken wichtig seien. In der Praxis gab es jedoch eine Diskrepanz zwischen Absicht und Verhalten. Denn viele dieser Umfrageteilnehmer:innen gaben auch an, dass sie oft schnellere oder günstigere Versandoptionen bevorzugen. In den letzten Jahren hat sich jedoch ein Wandel vollzogen. So wählen beispielsweise 60 % der Deutschen lieber nachhaltige Marken beim Einkauf.
Hier können kleinere Marken gewinnen. Emily traf die persönliche Entscheidung, lokal zu produzieren. Das findet bei Kund:innen Anklang, die nach nachhaltigeren Optionen suchen. „Ich würde sagen, dass ‚Made in the USA’ für meine Kund:innen wichtig ist“, sagt sie.
60 % der Deutschen wählen lieber nachhaltige Marken beim Einkauf.
Da sie ein kleines Unternehmen führt, kann sie schnell auf Kundenanforderungen reagieren. „Ich bin im Geschäft mit Sportbekleidung“, sagt Emily. „Es muss synthetisch sein, es muss dehnbar sein. Ich kämpfe damit, wie ich meinen ökologischen Fußabdruck verringern kann.“ Sie reagierte mit einer nachhaltigen Kollektion von Leggings und Oberteilen, die aus biologisch abbaubarem Polyamid hergestellt wurden.
Sichere dein Fitnessunternehmen für die Zukunft ab
Deine Wachstumsstrategie sollte einen klaren Plan enthalten, um deine Kund:innen sowohl mit deiner Marke als auch mit der Fitness-Community, die du drumherum aufbaust, zu verbinden. Setze auf Erlebnisse – sowohl virtuell als auch im echten Leben – um die Erwartungen deiner Kund:innen zu erfüllen und sie dabei zu unterstützen, informierte Kaufentscheidungen zu treffen. Und plane schließlich für das beste Szenario: Wenn dein Produkt durchstartet, sollten deine Logistik und Infrastruktur bestenfalls bereit sein, um die Nachfrage zu bewältigen.
Ein Unternehmen zu gründen, ist wie der Beginn einer neuen Fitnessreise. Sein Wachstum erfordert dieselbe Hingabe, um deine Ziele zu erreichen. Gründer:innen, die in der Fitnessbranche erfolgreich sein wollen, sind bereit, gemeinsam mit ihren Kund:innen ins Schwitzen zu kommen.
Feature-Bild von Daniel Faro