Muss ich ein Gewerbe anmelden? Diese Frage stellt sich dir vielleicht, wenn du mit dem Gedanken spielst, ins Unternehmertum einzusteigen. In den allermeisten Fällen ist die Antwort ziemlich einfach: Ja, die meisten unternehmerischen Tätigkeiten erfordern eine Gewerbeanmeldung. Es gibt jedoch Ausnahmen, weshalb wir den Sachverhalt in diesem Artikel einmal etwas näher beleuchten und alles Wissenswerte für dich zusammenfassen möchten.
Wann brauche ich einen Gewerbeschein?
- Wenn du eine gewerbliche Tätigkeit aufnimmst
- Wenn sich der Sitz deines Gewerbes ändert (Gewerbeummeldung)
- Wenn du einen bestehenden Gewerbebetrieb übernimmst
- Bei Gründung einer Zweigstelle
- Wenn sich die geschäftliche Ausrichtung grundlegend ändert
Wer muss ein Gewerbe anmelden?
Wer ein Gewerbe anmelden muss, ist in §14 Gewerbeordnung (GewO) geregelt. Demnach unterliegt jede gewerbliche Tätigkeit grundsätzlich der Gewerbepflicht – wie so oft gibt es aber Ausnahmen.
Von der Gewerbepflicht befreit sind:
- Landwirt:innen (sog. Urproduktion)
- Wissenschaftler:innen
- Freiberufler:innen (z. B. Künstler:innen, Architekt:innen, Ärzt:innen, Steuerberater:innen, Rechtsanwält:innen)
Wichtig: Auch als Freiberufler:in kann dein Unternehmen unter die Gewerbepflicht fallen, wenn deine gewählte Rechtsform eine Anmeldung voraussetzt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du eine GmbH gründest.
Gewerbliche Tätigkeit: Der Rechtsbegriff erklärt
Wenn du im oberen Abschnitt genau gelesen hast, ist dir schon ein weiterer Rechtsbegriff begegnet: die sog. „gewerbliche Tätigkeit“. Diese ist eine Grundvoraussetzung für die Gewerbeanmeldung.
Die gewerbliche Tätigkeit ist in §15 Abs. 2 des Einkommenssteuergesetzes (EStG) definiert und ist an drei Grundkriterien geknüpft: Selbstständigkeit, Nachhaltigkeit und die Teilnahme am Wirtschaftsverkehr.
Demnach liegt eine gewerbliche Tätigkeit immer dann vor, wenn:
- Die Tätigkeit durch eigenverantwortliches Handeln und nicht weisungsgebunden erfolgt (Selbstständigkeit).
- Sie dauerhaft und langfristig auf die Erzielung eines Gewinnes abzielt (Nachhaltigkeit).
- Sie die Erbringung bzw. Lieferung von Leistungen, respektive Waren vorsieht (Teilnahme am Wirtschaftsverkehr).
Beispiel: Gründung eines Onlineshops
Wenn du überprüfen möchtest, ob es sich bei deiner angestrebten Unternehmung um eine gewerbliche Tätigkeit handelt, solltest du die obenstehenden Kriterien prüfen. Anhand eines Beispiels zeigen wir dir, wie das geht.
Angenommen, du möchtest wie viele Nutzerinnen und Nutzer von Shopify einen eigenen Onlineshop aufbauen.
- Selbstständigkeit: Da du deinen Onlinestore aus eigenem Antrieb heraus baust, ist das Kriterium der Selbstständigkeit erfüllt.
- Nachhaltigkeit: Gleiches gilt für die Nachhaltigkeit, da du langfristig sicher ein Interesse daran hast, Geld mit deinem Shop zu verdienen. (Dabei spielt es übrigens keine Rolle, ob du auch tatsächlich einen Gewinn erzielst, die reine Gewinnerzielungsabsicht reicht aus!)
- Teilnahme am Wirtschaftsverkehr: Indem du Waren in Verkehr bringst, ist auch dieses Kriterium erfüllt. (Das gilt übrigens auch dann, wenn du dich für ein Dropshipping-Modell entscheidest und deine Artikel nicht selbst versendest.)
Du siehst, die Gründung eines Online-Business ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine gewerbliche Tätigkeit, die einen Gewerbeschein erfordert. In der Praxis ist das häufig der Fall.
Lesetipp: Was genau ist ein Kleingewerbe und braucht es auch dafür einen Gewerbeschein? Wir verraten es dir in diesem Blogbeitrag.
Wann muss die Gewerbeanmeldung erfolgen?
Die Frage: „Wann brauche ich einen Gewerbeschein?“, lässt sich auch durchaus wörtlich verstehen. Laut Gewerbeordnung muss die Gewerbeanmeldung erfolgen, sobald eine Tätigkeit aufgenommen wird. Da die Anmeldung aber auch eine Korrespondenz mit dem Finanzamt, den Berufsgenossenschaften und der zuständigen Kammer (Industrie- oder Handelskammer) nach sich zieht, empfiehlt es sich, das Gewerbe bereits mehrere Wochen vor Beginn der Tätigkeit anzumelden. Eine rückwirkende Anmeldung ist nicht zulässig.
Fazit
Wir hoffen, dass sich die Frage, ob du ein Gewerbe anmelden musst, nun für dich geklärt hat. In den allermeisten Fällen ist sie zu bejahen! Ein paar Berufsgruppen sind aber von der Gewerbepflicht ausgenommen. Solltest du nicht zu diesen Ausnahmen gehören, empfiehlt es sich, das Gewerbe rechtzeitig anzumelden.
Im Beitrag haben wir dir eine Methode vorgestellt, mit der du überprüfen kannst, ob es sich bei deiner Gründung um eine gewerbliche Tätigkeit handelt.